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Die Kermesbeere – eine invasive Art in lichten Wäldern

Die Amerikanische Kermesbeere fasst langsam Fuß in Deutschlands Wäldern. Sie kann bis zu 3 m hoch werden und bildet über die Jahre dschungelartig wirkende Reinbestände aus. Die FVA prüft deshalb verschiedene Strategien, um diese invasive Art nachhaltig zurückzudrängen.

 In Baden-Württemberg rückt die Amerikanische Kermesbeere immer mehr in die Wahrnehmung der Waldbewirtschaftenden. Diese Pflanzenart zeigt seit einigen Jahren regional invasives Verhalten und kann Verdrängungseffekte auszulösen. Die FVA Baden-Württemberg erprobt Strategien zur Zurückdrängung des Neophyten im Regionalen Waldschutzgebiet Schwetzinger Hardt. Erste Aussagen zum Vorgehen sowie dem Kosten- und Zeitaufwand können bereits getroffen werden.

Die sich im Südwesten Deutschlands ausbreitende Amerikanische Kermesbeere (Phytolacca americana) stammt ursprünglich aus Nordamerika. In ihrer Heimat besiedelt die ca. 2 m hohe Pflanze verschiedene Böden in lichten Wäldern, entlang von Gewässerrändern und Störstellen. Im Bezug zur Landwirtschaft wird sie als unliebsame Art der Begleitflora beschrieben, wenn sie dichte Bestände ausbildet.

In Südwestdeutschland kann sie bis über 3 m groß werden und wegen ihrer geringen Ansprüche an Licht- und Nährstoffversorgung über die Jahre dschungelartig wirkende Reinbestände ausbilden. Darin treten durch Licht-, Wasser- und Nährstoffkonkurrenz Verdrängungseffekte gegenüber der heimischen Flora auf. Zudem gibt es Hinweise auf Hemmung des Wachstums anderer Pflanzen durch Allelopathie.

Der phänologische Kalender zur Entwicklung der Phytolacca americana (Abb. 1) wurde anhand von Beobachtungen der Pflanzen im nördlichen Oberrheingebiet erstellt. Die Phänologie kann an anderen Standorten und von Jahr zu Jahr etwas abweichende Zeitspannen aufweisen.

Die mehrjährige, geophytische Pflanze überdauert die ungünstige Jahreszeit als Rübe im Boden und beginnt Anfang März mit der Keimung. Kernwüchsige Pflanzen wachsen mit einem Spross, aus mehrjährigen Wurzeln können mehr als 10 Sprosse austreiben (Abb. 2). Die Pflanze legt Adventivknospen an, aus denen im folgenden Jahr neue Sprosse austreiben können (Abb. 3).

Die Blütezeit beginnt ab Mai und dauert bis in den Herbst. Ein wesentliches Erkennungsmerkmal der Art sind die anfangs stehenden, später herabhängenden Blütenstände mit durchschnittlich 80 weißen Blüten. Jede Blüte kann eine in 10 Kammern gegliederte Frucht ausbilden, mit je einem 2 bis 3 mm breiten, hartschaligen Samen pro Kammer. Die dadurch entwickelte Samenmenge ist enorm, im Projektgebiet Schwetzinger Hardt wurden ca. 32.000 Samen pro ausgewachsenem Spross berechnet, was für einen mehrjährigen, dichten Kermesbeerenbestand ca. 64 Mio. Samen (~ 500 Liter) pro Hektar bedeutet.

Die kräftig grünen Sprosse verändern während der Fruchtreife ihre Farbe hin zu einem intensiven Rosa. Das Fruchtangebot kann bis zu den ersten Frösten im Spätherbst andauern. Als Ausbreitungsvektoren agieren vor allem Vögel. Die Sprosse und Blätter beginnen im Herbst zu welken, spätestens mit den ersten Nachtfrösten zerfällt die oberirdische Biomasse.

Situation in Deutschland

Die Kermesbeere wurde im 17. Jh. nach Europa exportiert und dort in Gärten gepflegt. Eine Teilpopulation außerhalb von Gärten wird erst seit etwa 30 Jahren beschrieben, das invasive Verhalten ist in Südwestdeutschland seit den späten 1990er Jahren bekannt (mündl. Aussage Projektpartner Schwetzinger Hardt). Deutschlandweit gilt die Art als synanthrop, als eingebürgerter Neophyt wird sie momentan nur im nördlichen Oberrheingebiet angesprochen. Das nördliche Oberrheingebiet stellt nach momentanen Aufzeichnungen den aktuellen Hauptverbreitungsschwerpunkt dar. Eine Verbreitungskarte gibt die Verbreitungskarte auf floraweb.de.


Kermesbeere im Projektgebiet Schwetzinger Hardt

Im nördlichen Oberrheinischen Tiefland liegt das Waldgebiet Schwetzinger Hardt. Die 3.125 ha große Waldfläche ist als Regionales Waldschutzgebiet und Erholungswald ausgewiesen. In den Beständen (> 50 % Waldkiefer) werden die besonderen Lebensräume der trocken-sandigen Binnendünenlandschaft erhalten und entwickelt. Herausragende Elemente sollen dabei lichte Kiefern- und Eichen-Wälder mit eingebetteten Offenflächen mit Sandrasen-Vegetation sein.

Die Kermesbeere findet in diesen lichten Wäldern gute Ansiedelungsmöglichkeiten und droht durch die Ausbildung dichter Bestände sowohl die Naturverjüngung als auch die Ziele des Naturschutzes und der Landschaftsentwicklung zu unterbinden (Tab. 1).

 In der linearen Phase (A) ist die Individuenzahl noch klein. Die Art ist dabei, in den Raum vorzudringen und eine Samenbank anzulegen. Der Bekämpfungsaufwand ist gering. Ab einem kritischen Grenzwert an Individuen pro Raum wächst die Population rasant an (exponentielle Phase – B). Der Bekämpfungsaufwand steigt merklich. Hat die Art ihr Raumpotenzial ausgeschöpft, hält sich die Populationsgröße auf einem Level mit hoher Individuenzahl (stabile Phase – C). Der Bekämpfungsaufwand ist über längere Zeit sehr hoch. Eine der Herausforderungen im Projektgebiet besteht darin, dass die Phytolacca-Population bereits in den Phasen B und C vorliegt und eine mächtige Samenbank angelegt wurde.

Management der Kermesbeere

Die hohe Konkurrenzkraft der Amerikanischen Kermesbeere steht in der nördlichen Oberrheinebene einer Forstwirtschaft entgegen, die auf Naturverjüngung und temporär lichtere Bestände setzt sowie dem langfristigen Erhalt lichter, artenreicher Wälder. Das Management dieser Spezies soll die Pflanze lokal eindämmen und Erkenntnisse zu ihrer effizienten Zurückdrängung schaffen.

Kartierung des Vorkommens

Um einen Überblick über die Raumverteilung der Kermesbeere zu bekommen und um Verteilungsmuster ableiten zu können, fand im Sommer 2016 auf über 1.500 ha des Waldschutzgebietes eine Phytolacca-Erhebung statt. In 100 m2 großen Aufnahmekreisen wurden Wuchsparameter der Kermesbeere und des Waldbestandes aufgenommen. In Abb. 4 sind die Fundpunkte der Kermesbeere bei dieser Aufnahme dargestellt.

Es konnte eine unmittelbare Korrelation zwischen dem Vorkommen der Kermesbeere und einem hohen Maß an Lichtversorgung in den Beständen festgestellt werden. Die Visualisierung der Funde lässt die flächige Präsenz des Neophyten erkennen. Dabei häufen sich dichte, meist mehrjährige Bestände entlang von Straßen, Wegen und Rückegassen. Auf Dünenkörpern mit abgängiger Kiefer sind ebenfalls viele Kermesbeeren-Pflanzen zu finden. Jüngere, weniger dichte Bestände kommen in der Regel auf dichter bestockten Waldflächen vor. In den Bannwäldern sind nahezu keine Kermesbeeren vorzufinden.

Während der Erhebung wurden nur selten durch Wild oder Arthropoden verbissene, dabei nicht letal geschädigte Pflanzen beobachtet. Es konnten keine Pflanzen gefunden werden, die Krankheitsmerkmale aufwiesen.

Es ist davon auszugehen, dass die Samenbank der Amerikanischen Kermesbeere mittlerweile flächig im Untersuchungsgebiet angelegt ist, d. h. auch an Stellen, an denen aktuell keine Funde von Phytolacca-Pflanzen verzeichnet werden können. Die flächenhafte Ausbreitung der Samen kann durch Vögel und Kleinsäugetiere, entlang der Erschließungslinien auch ungewollt durch Forstmaschinen erfolgen. Beobachtungen stützen diese Vermutung, da auf bisher dicht bestandenen Waldflächen nach Auflichtungen durch forstliche Eingriffe oder Kalamitäten schon im Folgejahr Phytolacca americana flächig individuenstark anzutreffen ist.

 

Kermesbeere2021@freenet.de